Spontanentscheidung: Rund Seeland

Beim Segeln kommt es oft anders, als man es vorausplant. So auch in diesem Sommer. Wie in den vergangenen Jahren, setzten wir auf die ersten drei Juli Wochen und wie sich zeigte, wurden unsere Wünsche erfüllt!

In einer Hochdruckphase mit nordwestlichen Winden sind wir mit unserem neuen Boot, dem Finnsailer 38 Richtung Fehmarn aufgebrochen. Nach dem Verlassen unserer Bucht ging es auf nördlicheren Kurs und siehe da: Windfelder taten sich auf! Mit einem schönen Am-Wind-Kurs erreichten wir Burgtiefe. Der Start war gemacht! In der Nacht kreisten heftige Unwetter über der Insel und brachten Regenschauer und jede Menge Wind. Am Folgetag schien wieder die Sonne und mit zu wenig Wind aus Nordwest legten wir ab Richtung Ost, Kurs Dänemark. Damit war die Route des Törns bestimmt: nordöstliche Ziele werden wir ansteuern.

Es geht endlich wieder los!
Wetterstörung über Fehmarn.

In Dänemark
Nach einer windarmen Fahrt unter Maschine überquerten wir die Kadetrinne und den vorgelagerten Windparks vor Lolland. Hinter den Parks ging es schnurstracks ins Fahrwasser nach Nysted. Nach einigen Jahren erreichten wir die schöne und geschützte Bucht mit dem Schloss Aalholm. Dieses schöne alte Städtchen hat es uns seit vielen Jahren angetan. Man kann nicht nur in den verträumten stillen Gassen der Altstadt flanieren, sondern auch die sehr grüne Umgebung erkunden. Ob in den weitläufigen Parks von Schloss Aalholm, oder in der anderen Richtung, zum Strandbad mit Blick auf die Windparks.
Die Sommerhitze hat uns fest im Griff, sodass wir gleich Mal einen Hafentag einlegten, um den Ort zu erkunden und uns natürlich im nahen gelegenen Strandbad abzukühlen. Dabei stelle besonders ich, als Warmduscher fest, wie ungewöhnlich warm die Ostsee schon geworden ist!

Wahrschau in der Kadetrinne.
Ankunft in Dänemark.

Brücken-Törn
Am Folgetag ging es weiter in den Guldborgsund. Auch unser neues Boot hat nur einen Tiefgang von 1,60 Metern, sodass die Fahrten durch den nahen gelegenen Sund problemlos möglich sind. Besonders im südlichen Teil darf man nicht immer das Echolot im Blick haben…manchmal scheinen nur wenige Zentimeter zwischen Kiel und Grund zu herrschen. Das spiegelt jedoch nicht die Tatsachen wider, sondern das verkrautete Sundwasser!
An der ersten Kong-Frederic-Brücke stehen wir pünktlich zur Mittagspause. Also eine Stunde warten bis zur nächsten Öffnung. Das bedeutet: Mittagspause. Nach der Brückendurchfahrt fahren wir durch den breiter werdenden Sund bis nach Guldborg. Vor der gleichnamigen Nordbrücke machen wir Stopp und übernachten dort.

Im Guldborgsund.
Traditionelle Einkehr im Cafè Lagunen.

Das windarme Wetter hält sich, sodass es weiter durch das Smalandwasser unter Maschine geht. Als nächste Brücke erreichen wir die neue Storstrømbrücke, die erst im März vom dänischen König höchstselbst eingeweiht wurde. Ein zuerst unübersichtlich betonntes Fahrwasser führt zur Strommitte. Erst mit dem Einschwenken auf die Fahrbahn wird die Betonnung deutlich. Nach der neuen Brücke folgt die alte, die nicht mehr befahren wird.

Unübersichtliche Ansteuerung der neuen Storströmbrücke.

Unser Weg kreuzt den Storstrøm und biegt gut betonnt nach links ab. Weiter geht es über die weiteren Autobahnbrücken bis zur Brücke vor Kalvehave. Hier machten wir Stopp, bevor es weiter geht.
Die deutschen Nachbarn gehen früh in die Koje und wollen früh los. Tatsächlich werden wir rund 6 Uhr durch Motorengeräusche wach. Wir machen später das Boot klar und fahren durch den Bögestrom Richtung Rödvig. Auf dieser Strecke darf das Echolot auch nicht im Vordergrund stehen: Es zeigt teilweise Tiefen von weniger als einem Meter im verkrauteten Wasser an…
Wir holen eine Gruppe von kleinen Trailerbooten ein. Wie wir später erfahren, stammen die Segler von einer Talsperre aus Hessen. Sie haben die Boote an der Ostsee geslippt und wollen nach Bornholm. Respekt!
Später haben wir die Gruppe wieder in Rödvig getroffen. Allerdings auch die Segler, die um 6 Uhr Kalvehave verlassen und uns geweckt haben… um drei Stunden später in Rödvig zu sein, um wahrscheinlich einen guten Platz zu bekommen!? Ein vollkommenes Unding für uns, aber wie wir später feststellen müssen, ist das wohl Trend bei vielen deutschen Seglern. Deswegen sind bereits mittags insbesondere die kleinen Häfen voll.

Im Transithafen Rödvig.

Wetterwechsel
In Rödvig zieht eine Wetterstörung über uns hinweg. Viel Wind und Regenschauer zwingen uns im Hafen zu bleiben. Am nächsten Tag haben wir Rückseitenwetter mit ordentlich Nordwestwind. Also Leinen los und ab auf die Bahn. Auch die Hessen laufen mit ihren kleinen Booten aus, obwohl in Böen gute 20 Knoten vorhergesagt sind!
Für uns wird es eine Premiere, denn bei so viel Wind haben wir das Boot noch nicht gesegelt! Mit einem Reff im Groß bekommen wir hinter der Landabdeckung die erste Böe ab. Das Boot springt erstaunlich gut an und macht über sieben Knoten über Grund! Die nächste Böe wird etwas doller und ich entscheide, die Genua einzureffen. Dafür übergebe ich das Rad meiner Frau. Im nächsten Moment dreht meine Frau das Rad leider in die falsche Richtung und wir fahren eine Halse. Das Boot legt sich mächtig auf die Seite und ich fliege durch das große Cockpit!

Zum ersten Mal: Segeln mit viel Wind.

Als alles wieder auf Kurs war, wurde deutlich, was 20-Knoten-Böen auch auf einem 10-Tonnen-Boot anrichten können! Außer meine blauen Flecken und abgeschürfte Haut ist nichts passiert! Das Boot läuft auf Kurs und nach der Öffnung der Köge-Bucht ist der Wind runter gegangen. Nach einer Stunde drehte er immer mehr auf die Nase, sodass wir mit Groß und Maschine weiter gen Öresund motoren mussten. In der Hochsaison zu segeln birgt die immer größer werdende Gefahr, keinen Liegeplatz zu finden. Wir standen rund 15 Uhr im Fischereihafen Dragör und eine größere dänische Yacht fuhr aus ihrer Box und zeigte uns den freien Platz an. Man muss auch Mal Glück haben und schon lagen wir in einer guten Box fest.
Interessanterweise habe ich beim Vorbeifahren gesehen, dass rund zehn Schiffe direkt an der Kaimauer, aber ohne Heckpfähle liegen!? Ich habe vermutet, sie liegen alle vor Anker!? Tatsächlich habe ich später bei genauerer Betrachtung gesehen, dass der Kommunalhafen Dragör Mooringleinen ausgelegt hat! Da hat sich wohl jemand das Vertäuungs-Prozedere im Mittelmeer abgeschaut und hier umgesetzt! Cool!

Endlich im Öresund mit Blick auf die Brücke.

Kopenhagen
Da Dragör dicht vor Kopenhagen liegt, haben wir uns entschieden am nächsten Tag mit dem Bus in die Hauptstadt zu fahren. Das Großstadt-Feeling ist beeindruckend! Im Tivoli haben wir ganz hervorragend zu Mittag gegessen, um mit neuen Kräften die Innenstadt zu erobern. Am Ende haben wir uns den Ofelia Platz angeschaut. Den kannten wir noch nicht und wollten wissen, wie es sich dort liegt. Von einer dort liegenden Yacht haben wir a) den Liegeplatzpreis (zu hoch) und b) den Zugangscode für die unterirdischen Sanitärräume erhalten. Nach dem Abstieg in den Kopenhagener Untergrund konnten wir uns überzeugen, dass die wenigen Wasch- und Duschräume in keinem guten Zustand waren. Überall blätterte die Farbe ab und die Abflüsse waren verstopft und liefen über. Gut, dass wir im gemütlichen Dragör liegen 😊

Mit dem Bus nach Kopenhagen.
Oper von Kopenhagen.

Mit der letzten Regenfront des Urlaubs fuhren wir den Öresund rauf, bis zum für uns sehr beliebten Hafen Helsingör. Als wir dort waren und gut fest in der Box lagen, ging es auch schon los: Die Front brachte ordentlich Wind mit! In der Spitze waren es über 43 Knoten, also 9 Beaufort! Das ist ein ausgewachsener Sommersturm! Wir nutzten den Hafentag und spazierten an der Kronborg vorbei und mussten im Fährhafen das Sinken eines alten Ausflugschiffes miterleben. Dort liegen weitere Seelenverkäufer, die auf ihr ähnliches Ende warteten. Traurig!

Spektakuläres Wetter über Helsingör.
Seelenverkäufer auf Tiefe.
Nur die Werbeschilder weisen auf eine Schifffahrt hin.

Schweden
Als nördlichsten Punkt unseres Törns haben wir Mölle auf der schwedischen Seite ausgewählt. Hier lagen wir vor etwa fünfzehn Jahren mehrere Tage eingeweht, weil ein starker Nordwest eine Ausfahrt unmöglich machte.
Die hohe Küste mit den kleinen Orten macht den Kullen zu etwas ganz besonderen, gerade wenn man wie wir aus dem eher flachen Süden kommt. Entsprechend vorsichtig sind wir bei leichtem Nordwest (…) in den Hafen gefahren. Eine frisch geweißte Kaianlage war noch frei! Also ran da und so sehen meine eigentlich dunkelblauen Fender leider heute noch aus… Das ist uns aber vollkommen egal! Wir genießen das schwedische Lebensgefühl von Leichtigkeit und Sommar!
Über einen anspruchsvollen Weg wandern und klettern wir am Kullen entlang und erfreuten uns an den spektakulären Aussichten auf das Kattegat.
Am Ende des Weges finden wir eine kleine Gastronomie mit einem angeschlossenen Strandbad in den Felsen. Einfach nur herrlich!!!

Anfahrt Mölle.
Traumhafter Kullen.

Rund Seeland
Zum Abschied ist eine zielführende Entscheidung gefallen: Wir fahren rüber, zur Nordseite Seelands und nicht wieder den Öresund zurück!
Das ausgeprägte Hochdruckwetter bescherte uns ein spiegelglattes Kattegat. Mit der eisernen Fock steuerten wir den Isefjord an, der besser bekannt ist unter dem nach Südosten gelegenen Roskildefjord. Wir suchten uns den ersten Hafen Hundested aus. Gute Wahl, wie wir später feststellen konnten! Ein großer Hafen mit mehreren Becken bietet verschiedene Liegeplatzmöglichkeiten. Wir wählten den Innenhafen, da dieser direkter am ausgezeichneten Strand liegt. An einem Durchführungskanal zum noch weiter innen liegenden Becken haben wir einen tollen Längsseits-Platz eingenommen. Hier ist das Motto mittendrin statt nur dabei. Um uns herum ist ein Restaurant neben dem anderen.
Hier oben zeigte sich, dass scheinbar wenige deutsche Yachten diesen Weg nehmen. Fast ausschließlich Skandinavier bevölkern den quirligen Hafen.
Ein Highlight ist der dortige Strand! Feiner Sand und das herrliche Wasser des Kattegats bescherten uns eine angenehme Abkühlung bei knapp 30 Grad.
Nach Studie der Karten wurde mir deutlich, dass dieses Revier, mit den vielen Fjorden einen eigenen Urlaubstörn benötigt, um auch die Sehenswürdigkeiten, wie die vielen Schlösser und natürlich die ehemalige Haupt- und Domstadt Roskilde anzufahren.
Unser Weg führte uns weiter westlich und so standen wir bald vor dem Nordwestlichen Riff Seelands. Von etwa drei Meilen Entfernung sah es aus, als ob wir auf eine Windzone zumotoren. Ich freute mich schon und sah mich beim Großfall ziehen. Leider war das ein Trugschluss! Das bewegte Wasser waren die Strömungen des Großen Belt, die uns leider mit nördlicher Strömung entgegenkamen.

Glatter Öresund Nordeingang.
Geschützte Liegeplätze in Hundested.
Gegenstrom im Großen Belt.

Auf Südkurs
Nach der Durchfahrt zeigte unser Bug zum ersten Mal wieder nach Süden. Die Insel Serejö, die wir vor etwa 20 Jahren das letzte Mal angesteuert haben, wurde das neue Ziel. Viele Schweinswale und auch Robben begleiteten die windlose Fahrt. Der relativ kleine Hafen von Serejö war schnell voll. Wir haben eine kleine Ecke im hintersten Teil des Hafens belegen können. Der Vorteil: vom Boot hatten wir in zwanzig Metern den Strand vor der Nase. Herrlich, denn auch hier brüteten wir bei knapp 30 Grad.

Sejerö.
Schöne Inselidylle im Kattegat.
Praktischer Liegeplatz, gegenüber vom Strand.
Dänisches Schwesterschiff in Ketsch-Ausführung.

Auch der Folgetag brachte keinen Wind. So motorten wir den Großen Belt runter und landeten in Kerteminde. Seit den Umbaumaßnahmen, bei denen ein Segelkollege aus meinem Club in der schlecht betonnten Einfahrt aufgelaufen war, hat sich der Hafen prächtig entwickelt. Neue Stege bieten hervorragende Anlegemöglichkeiten und die Stadt alle Versorgungsmöglichkeiten.

Die ersten 500 Seemeilen liegen mit dem neuen Boot achteraus!
Gegenstrom trotz Null Wind.
Spannende Brückendurchfahrt unter der westlichen Großen Belt Brücke.

Brücken-Krimi
Umso weiter wir nach Süden kamen, wurde ein deutlich verdichtetes Bootsaufkommen erkennbar. Das zeigte sich mit Erschrecken im nächsten Zielhafen, wobei wir erst noch durch die westliche Beltbrücke fahren mussten. Hier fragte meine Frau etwa fünf Meilen vor der Brücke, wie hoch die denn sei. Durch mehrere Silverrudder-Teilnahmen war ich mir sicher, dass die mindestens 20 Meter hoch ist. Dem war nicht so. In der Karte standen 18 Meter Durchfahrtshöhe! Nach kurzer Überlegung, dass unser relativ neuer Mast 17 Meter haben sollte und wir ab Wasserstand wahrscheinlich 18-19 Meter Durchfahrtshöhe haben müssten, wurde die Durchfahrt spannender als geplant! Dank des leichten Gegenstroms von guten 1,5 Knoten fuhren wir mit Schleichfahrt auf die Durchfahrt zu, um im Falle einer Funkantennenbewegung am Masttop sofort rückwärtszufahren. Die Antenne wackelte nicht und die Durchfahrt gelang vollkommen unspektakulär. Ich gehe davon aus, dass die Dänen eine Sicherheitsreserve von mindestens angegeben haben!?
In den Zielhafen Lohals auf Langeland fuhren liegeplatzgewiss und trauten unseren Augen nicht: Obwohl es erst 14 Uhr war, konnten wir keinen einzigen Platz finden!? Alles zugeparkt! Selbst im Durchgang zum Innenhafen lagen bereits Päckchen von Booten. Wir sind im überfüllten Top-Spot-Revier angekommen! Die einzige Möglichkeit: Weiterfahrt! So etwas habe ich in meinen mittlerweile fast fünfunddreißig Jahren auf eigenem Kiel in unterschiedlichsten Revieren noch nie erlebt! Also weiter Richtung Süden, am Svendborgsund vorbei und durch die nächste Brücke nach Rudköbing. Der gemütliche Hafen bietet mit mehreren Hafenbecken genug Auswahlmöglichkeiten an Liegeplätzen. Wir haben im Kommunalhafen unseren Stammplatz, neben einer vergammelten Nauticat gefunden. Hier lagen wir auch letzten Sommer. Hier ist das Strandbad fußläufig in ein paar Gehminuten zu erreichen und bietet ein erstklassiges Schwimmerlebnis!

Abendstimmung in Rudköbing.
Bagenkop.

Vollgas nach Hause
Es sollte laut den Wetterprognosen in den nächsten Tagen einen Wetterwechsel geben, weswegen wir jetzt auf dem Gaspedal standen. Deswegen segelten wir am Folgetag nach Bagenkop, dem Absprunghafen nach Deutschland. Während der Vorbeifahrt, zeigte sich auf den beliebten „Autobahnen“ von Marstal zu den Inseln ein „weißer Segel- Horizont“! Nix wie weg hier!
In Bagenkop hat unser SUP den ersten Einsatz erfahren! Das Ding fahren wir seit zwei Saisons spazieren! Was für ein tolles Spaßgefährt! Es macht unglaublich Spaß mit dem SUP durch den Hafen zu paddeln und die einfahrenden Boote zu irritieren 😉
Eine große Freude war auch das Wiedersehen eines Segel-Freundes aus Hamburg! Uwe und Rilana haben wir vor drei Jahren in Südschweden kennen lernten. Sie haben uns unterstützt, als uns mit der Mascot vor Gedser die Maschine ausgefallen war und wir in den Fährhafen segeln mussten.
Der Abschied aus Dänemark fiel uns schwer. Nach über 400 Meilen Rund Seeland haben wir ein ordentliches Stück geschafft! In wenigen Stunden erreichten wir Orth auf Fehmarn und belohnten uns mit einem göttlichen Eiscafè und zogen danach einen Tisch weiter zum Griechen. Herrlich!

Abschied von Dänemark.

Am letzten Tag des Törns zeigten sich bereits hohe Schleierwolken, die auf eine Wetteränderung hindeuten! Trotzdem wurde es ein ruhiger Törn nach Hause. Nach rund 400 Seemeilen lag am Freitag, den 17. Juli die Travemünder Nordermole wieder steuerbord querab. Wir haben es geschafft! Schiff und Crew sind wohlauf und ich bin froh, den Törn mit dem neuen Schiff so gut gefahren zu haben!

Der Rund Seeland- Törn 2026.