Hooksiel: Die grüne Insel

Ein Boot von Hooksiel zur Ostsee zu bringen, bedeutet einmal durch die See-Schleuse und weiter durch die Seegatten von Jade, Weser und raus auf die deutsche Bucht, um dann wieder in die Elbe einzubiegen. Als Highlight wollte ich die Fahrt in Helgoland unterbrechen, um von dort in die Elbe und nach Brunsbüttel zu fahren. Soweit der Plan.

Die Realität
Im Dezember habe ich realisiert, dass die Schleuse Hooksiel renoviert wird. Eine Öffnung ist von den Betreibern für Ende April avisiert. Somit habe ich genug Zeit, um das Boot klar zu bekommen. Michael hat auf dem Unterwasserschiff kein Antifouling gemalt, um einem Interessenten einen realistischen Eindruck zu verschaffen, wie es ist. Er hatte bei der damaligen Grundüberholung des Unterwasserschiffes wahrscheinlich bei zu niedrigen Temperaturen beschichtet, weswegen ich loses Antifouling abgespachtelt und mit 1K-Grund als Haftvermittler weitergemacht habe. Darauf habe ich dann das Weichantifouling aufgetragen, dass sich für unser schwieriges Trave-Revier am besten eignet.
Die Frage-Listen an den Voreigner waren langsam abgearbeitet und die Überführung konnte kommen. Leider machte mir die Niedersachsen Ports einen Strich durch die Rechnung: Durch den strengen Winter konnte die Schleuse nicht fertiggestellt werden. Voraussichtlicher nächster Inbetriebnahme-Termin: Pfingsten…!

Das Unterwasserschiff bekommt eine ordentliche Grundierung.
Michael und ich begleiten das Boot Richtung Kranplatz.
Für den mächtigen Kranwagen ist der Finnsailer kein Problem!
Und eh ich mich versah, schwimmt sie!
und noch schneller mussten wir zur Marina losfahren.

Ich habe das Boot trotzdem planmäßig kranen lassen, damit wir die End-Übergabe im Wasser erledigen können => schließlich habe ich z.B. den Diesel noch nicht gehört und die Segel auch noch nicht gesehen (Vertrauen!).
Durch die geschlossene Schleuse waren alle Boote im Hooksmeer, dem angeschlossenen kanalartigen Wasserlauf in Hooksiel gefangen. Es herrschte selige Ruhe, inmitten des Saisonstarts! Viele Schiffe haben den Winter mit stehendem Rigg verbracht, so auch mein Finnsailer. Bei uns ist das eher selten und wird von den Winterlageranbietern nur mürrisch geduldet. Mit einem mächtigen Kranwagen holten sie mein Boot vom Platz weg und fuhren es zum Werftsteg. Eh ich mich versah schwamm das Boot und der Diesel lief!
Da die Werft keine Liegekapazitäten hat, organisierte uns Michael einen Platz in der kanalabwärts gelegenen Hooksiel-Marina. Dort ist der Regattaverein Lollipop beheimatet, bei dem ich vor einigen Jahren selbst Mitglied war, um bei Langstrecken-Regatten, wie der Rund Bornholm melden zu können.

Besonders nachts kann das Boot eine Erscheinung sein.

Etwas überfordert kümmerte ich mich bei der Überfahrt in die Marina um Leinen und Fender und realisierte nur nebenbei, dass wir mit dem Finnsailer fuhren und das Boot einen wirklich mächtigen Eindruck macht! Der 4-Zylinder-Diesel war kräftig und schiebt das Boot mit seinen knapp zehn Tonnen problemlos an.
Vorbei an einer Wasserski-Anlage und grünen Wiesen und Wäldern erschien mir das Hooksmeer eher einem Amazonaslauf, als einem ehemaligen Nordseekanal.

Erste Ausflugsfahrt in den alten Hafen Hooksiel.
Ich bin happy! Alles funktioniert und die Maschine läuft!

Die Hooksiel-Marina liegt ebenfalls eingebettet in sattem Grün und ein paar Club-Gebäuden => Ein Träumchen! Ein Platz am Lollipop-Steg war unser und in Nullkommanix lagen wir seelenruhig im tidenunabhängigen (!) Hafen.
Die netten Menschen auf dem Nachbarboot, einer Hanse 350 fielen mir gleich auf. Sie lagen dort als Havarist mit Maschinenproblemen. Wie sich herausstellte, hatte der Eigner Uwe auf Lithium-Ionen-Batterien umgestellt und zugleich Elektro-Probleme mit dem Motor. Nachdem diese behoben waren, kamen wir ins Gespräch. Insbesondere erregten seine Karabiner-Seile, die von der Saling zum Deck führten meine Aufmerksamkeit. Wie sich herausstellte ist Uwe nicht nur ein technikaffiner Tüftler, sondern auch ein echter Blauwassersegler, der mit seiner Swalin bis zum Polarkreis: https://www.youtube.com/@swalins-reisen segelte!

Das wahrscheinlich bester MOB-System: ÜKS => ÜberKopfSicherheitssystem von Uwe!
Ein wahrscheinlich seltenes Bild: zwei Boote mit dem installierten ÜKS!

Uwe erklärte mir was es mit seinen Karabiner-Seilen von der Saling zum Deck auf sich hat: Es ist ein Mann-über-Bord-Verhinderungssystem! Aus der Kletter-Szene kommt ein reckreiches Seil, dass über die Saling und das halbe Mastprofil wieder zurück auf die andere Deck-Seite geführt wird. An dieses Seil wird ein kurzes, dünneres Seil mit einem verschiebbaren Knoten gebunden, an dem ein Karabiner geknotet ist, der ebenfalls aus dem Kletterbereich stammt. Damit hat man einen Rettungsseil, dass seinen Zug, nicht wie bei den sonst üblichen Strecktauen oder -Gurten auf den Gangbords, also von unten, sondern von oben bietet (!)! Ich habe das System ÜKS (Über-Kopf-Rettungssystem) benannt und bei meinem letzten Besuch in Hooksiel mit Unterstützung von Uwe, selbst installiert! Meiner Meinung nach das effektivste und beste Sicherungssystem, dass es gibt!
Auch mit dem neuen B&G-Plotter Vucain 9 habe ich so meine Herausforderungen und so manche abendlichen Stunden habe ich davor verbracht, um die Routen durch die Seegatten zu generieren und abzuspeichern. Gleichzeitig sind wir mit dem Boot erste Ausflüge entlang des Hooksmeer gefahren und haben den hydraulischen Autopiloten und die Bordelektrik gecheckt (NMEA 2000).

Hooksiel ist ein wirkliches zauberhaftes Kleinod an der Nordessküste.

Eins ist uns ganz klar geworden: Ohne die phantastische und kontinuierliche Unterstützung von Michael, hätten wir die Anfänge auf dem neuen Boot und den wunderbaren Liegeplatz in Hooksiel niemals haben können! Die Menschen in diesem Revier haben uns mit ihrer Freundlichkeit und Offenheit begeistert! Schade, dass Hooksiel so weit entfernt liegt!